Zukunft des Fußballs: Mutmaßungen und Szenarien
Symbolbild: Jörg Struwe - picselweb.de

Zukunft des Fußballs: Mutmaßungen und Szenarien

LANDKREIS. Der Niedersächsische Fußball-Verband (NFV) hat den Spielbetrieb über den 19. April hinaus auf unbestimmte Zeit ausgesetzt. Die Entwicklung in der Corona-Krise lässt dem Verband keine andere Wahl.

Die große Frage ist nun, wie und ob diese Saison beendet werden kann. Der DFB hat den Verbänden nun einen größeren Spielraum gegeben, bei möglichen Lösungsansätzen.

Es ist gerade mal knapp zwei Wochen her, dass der NFV Kreis Stade die verschiedenen Szenarien durchgespielt hat, wie die Saison zu Ende gebracht werden könnte – mit dem Verweis darauf, dass der Kreis abhängig sei von den höheren Ausschüssen (Verband und Bezirk). Der Spielausschuss kommunizierte auch klar, welche Folge eine Verlängerung des lahmgelegten Spielbetriebs hätte: „Die Aussetzung des Spielbetriebes wird über den 19. April 2020 verlängert. Das hätte automatisch den Abbruch der Saison zur Folge“, hieß es in Punkt 3 des offiziellen Schreibens an die Mannschaften des Kreises Stade. „Ich gehe davon aus, dass in dieser Saison keine Spiele mehr stattfinden“, sagt Ulrich Mayntz, Vorsitzender des NFV Kreis Stade. „Das sind aber immer noch Mutmaßungen.“ Die Verbände hoffen natürlich immer noch, die Saison sportlich beenden zu können. Mayntz „mutmaßt“, dass in diesem Jahr „ganz sicher wieder Fußball gespielt wird“. Dass also die kommende Saison angepfiffen wird.

Saison kann über den 30. Juni hinaus verlängert werden

Der DFB hat aufgrund der Corona-Krise Änderungen in der Spielordnung vorgenommen und den Verbänden einen größeren Spielraum gegeben, um Lösungen zu finden. Dr. Rainer Koch, als 1. DFB-Vizepräsident Amateure zuständig für Recht und Satzungsfragen, sagt: „Die Covid-19-Pandemie hat den Spielbetrieb auf unbestimmte Zeit stillgelegt. Das Maßnahmenpaket gibt vor allem den für den Amateurspielbetrieb zuständigen 21 Landes- und fünf Regionalverbänden nun statuarisch die Möglichkeit, so flexibel wie möglich auf diese Ausnahmesituation und neue Entwicklungen zu reagieren.“ Der Grundsatz, dass ein Spieljahr zum 1. Juli eines Jahres beginnt und zum 30. Juni des folgenden Jahres endet, ist für die nächsten 15 Monate aufgehoben. Koch: „Das bedeutet, die laufende Saison kann, sofern nötig und kein Abbruch gewollt ist, in allen Spielklassen über den 30. Juni 2020 hinaus verlängert werden und das Spieljahr 2020/2021 zu einem späteren Zeitpunkt beginnen oder notfalls sogar ganz oder teilweise entfallen.“

Es werde eine Video- Konferenz mit allen Spielausschüssen geben, sagt Mayntz. „Ich erwarte vom Verband bis Ende April eine klare Vorgabe“, so der Stader NFV-Chef, „und die muss für das ganze Bundesland gelten. Nicht, dass jeder Kreis sein eigenes Süppchen kocht.“ Mayntz sagt auch, er möchte nicht in der Haut der Verantwortlichen stecken.

Am härtesten wird es die potenziellen Aufsteiger treffen

„Wir müssen versuchen, mit Augenmaß, Entscheidungen zu treffen, die der Großteil der Vereine mittragen wird. Einzelne Härtefälle werden sich kaum vermeiden lassen“, so der Spielausschuss des NFV Kreis Stade schon vor zwei Wochen. Dass es in jedem Fall Verlierer geben wird, da sind sich alle Fußballer seit Beginn der Corona-Krise einig. Am härtesten wird es die potenziellen Aufsteiger treffen. Ist eine faire Lösung möglich?

Malte Bösch, Trainer des Landesligisten SV Ahlerstedt/Ottendorf, erwartete schon die Ausweitung des stillgelegten Spielbetriebs, hofft aber noch auf spätere Englische Wochen und dass die Saison verlängert wird, dass die Sommerpause verkürzt ist oder die kommende Saison später angepfiffen wird. A/O ist Vierter und hat wie der Dritte TuS Harsefeld eine Lizenz für die Oberliga beantragt. Gerade in der Landesliga ist der Aufstiegskampf so spannend wie lange nicht mehr, weil jeder jeden schlagen kann. Harsefelds Sportdirektor Alexander Martens glaubt nicht mehr an einen Wiederanpfiff in dieser Saison. „Ich möchte nicht mit den Funktionären tauschen“, sagt er, „aber es muss eine übergreifende Gesamtlösung gefunden werden.“

Er betont, dass es immer Verlierer geben wird, die fairste Lösung wäre aber, wenn es keine Absteiger gibt und die jetzigen Tabellenführer aufsteigen dürften. „Die Saison ist dafür schon lange genug gelaufen“, sagt Martens. Bösch verwies auf die derzeitigen Tabellenführer der Bezirksligen, den TSV Elstorf und den ASC Cranz-Estebrügge. Sollte diese Saison annulliert werden, sagte Bösch, fände er es für diese beiden klaren Favoriten auf den Landesliga-Aufstieg immens ungerecht.

Wenn dieses Jahr kein Fußball mehr gespielt werden kann

Der TSV Elstorf, trainiert von dem ehemaligen A/O-Trainer Hartmut Mattfeldt, führt in der Bezirksliga Lüneburg 2 die Tabelle mit sieben Punkten Vorsprung an, und hat dabei sogar noch ein Spiel weniger als der erste Verfolger. Der ASC Cranz-Estebrügge, Tabellenführer in der Bezirksliga Lüneburg 4, ist mit der klaren Ansage in die Saison gegangen, Meister zu werden und aufzusteigen. Zuvor war der ASC zweimal Vizemeister, die drei Jahre davor jeweils Dritter. „Ich wüsste nicht, wie ich dass verarbeiten könnte, wenn die Saison annulliert wird und wir so um den Lohn unserer Arbeit gebracht werden“, gibt Trainer Daniel Schröder zu. Es werde bei jeder Lösung Verlierer geben, sagt Schröder. Die fairste Lösung für ihn wäre, dass es keine Absteiger aber Aufsteiger gibt. „Die Ligen müssten aufgestockt werden und dann gibt es in der kommenden Saison halt mehr Absteiger“, sagt Schröder, darauf könnten sich alle Mannschaften einstellen.

Bei allen Mutmaßungen, gehen die Fußballer noch davon aus, dass in diesem Jahr wieder Fußball gespielt wird und die neue Saison angepfiffen wird. Was aber passiert, wenn die Entwicklung der Krise gar kein Fußball mehr zulässt in diesem Jahr. Da hat Michael Koch vom Spielausschuss des NFV die fairste Lösung parat: Dann könnte theoretisch die jetzige Saison im ersten Halbjahr 2021 zu Ende gespielt werden. Die Saison 2021/22 würde so mit echten Auf-und Absteigern starten. Dies ist durch den DFB-Beschluss möglich.

Quelle: Stader Tageblatt von Jan Bröhan

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